Hast Du schon mal von „Confirmation Bias“ gehört?

Vielleicht kennst du den noch Begriff nicht,

aber die Bedeutung hast Du sicher selber mal erlebt.

Das erlebt man im Alltag, am Arbeitsplatz, in der Liebe (!),

und vor allem auch bei dem Zusammenleben mit anderen Kulturen.

Ich habe vor kurzem einen sehr interessanten Artikel von Shahram Heshmat gelesen.

Und das erste Beispiel, das er beschreibt genügt, um zu verstehen,

wie dieser Prozess der Confirmation Bias (im Deutschen sagt man: Bestätigungsfehler) funktioniert.

Stell Dir vor:

Du versucht einen Freund/Freundin,

zu dem/der Du ein zwiespältiges Verhältnis hast,

telefonisch (hinterlässt Nachrichten) oder per Email zu erreichen.

Dieser Freund/diese Freundin antwortet nicht, ruft nicht zurück, schreibt nicht zurück.

In solchen Situationen ist es also einfach intuitiv zu dem Schluss zu kommen,

dass diese Person nichts mit Dir zu tun haben will.

Die Gefahr hier liegt in der Tatsache, dass man diesen Glauben nicht bestätigt,

indem man versucht herauszufinden, was der wahre Grund ist,

sondern damit anfängt ihn, als wahr anzusehen.

Sprich: Man denkt wirklich, dass der Freund/die Freundin mit einem nichts zu tun haben möchte.

Und dementsprechend verhält man sich auch so.

Was dies für Konsequenzen haben kann, kann sich jeder vorstellen.

 

Dieser „Bestätigungsfehler“ kommt vom Einfluss des Glauben-Wollens.

Wenn wir also eine bestimmte Idee im Kopf haben, die wir als wahr sehen wollen,

glauben wir am Ende daran.

„Hip-Hoper sind gewalttätig“, denken so manche.

Und wollen es auch glauben.

Wenn wir dann unsere richtige Begegnung mit einem Hip-Hoper haben,

der zufällig an dem Tag gerade etwas aggressiv reagiert,

bestätigen wir unsere Theorie, dass Hip-Hoper gewalttätig sind.

 

Glauben-Wollen

Glauben-Wollen, das kann für einige Sachen zwar ganz positiv sein.

Wenn wir uns aber mit unserem Glauben abfinden,

dann hören wir damit auf,

nach anderen Informationen zu suchen,

die eben diese Tatsache widerlegen könnten.

Das ist insbesondere bei den negativen Fällen schlimm.

Bei Vorurteilen zum Beispiel.

Nehmen wir doch noch einmal das erste Beispiel mit dem Freund/Freundin.

Stellen wir uns vor, Marlene, hat eine brasilianische Freundin, Sofia, die auf ihre Anrufe und Emails nicht reagiert.

Sie pickt sich die Staatsangehörigkeit der Freundin heraus, die ja anders ist,

und glaubt nun, dass es mit der Nationalität zusammenhängen kann,

weil sie schon schon mal gehört hat, dass Brasilianer so wären.

Sie glaubt nun also, Brasilianer wären nicht zuverlässig in Freundschaften.

Wenn sie nun andere Brasilianer trifft,

interpretiert sie alle Zeichen, jedes Verhalten,

jedes Wort von ihnen ihrem Glauben entsprechend.

„Diese Brasilianer können keine Freundschaften pflegen“.

Sie wird also nur die Seite sehen, die sie sehen will.

Und sich dementsprechend verhalten: Groll hegen, schlechte Gefühle der anderen Person gegenüber haben,

diese „Freundin“ meiden ohne einen richtigen Grund dafür zu haben.

Was tun?

Wir müssen uns also immer wieder die Frage nach unserem Glauben stellen.

Einerseits, ist es eine interessante Frage, warum wir bestimmte Leute auf eine bestimmte Weise sehen.

(Bilder aus den Medien, Geschichten aus der Familie, Vorurteile in der Gesellschaft)

Andererseits, ist es jedoch viel wichtiger sich selbst zu fragen, ob man die Person auch aus einer anderen Perspektive sehen kann.

Verhalte ich mich meinem Glauben entsprechend?

Und in Marlenes Fall:

Bin ich vorsichtig bei Brasilianern? Vermeide ich sie? Und sehe nur das Unzuverlässige in ihnen?

Und wie wäre es, wenn ich sie als „vertrauenswürdig“ ansehen würde?

Ganz normal mit ihnen kommunizieren, nach den Gründen Fragen, warum die Freundin nicht antwortet.

Einiges ausprobieren, und schauen, was daraus kommt.

Wir haben alle Einfluss auf unsere eigene Kommunikation und auf die Kommunikationssituation.

Wenn ich jemandem aggressiv gegenübertrete, was erwarte ich dann?

Dass diese Person nett zu mir ist?

Sicher nicht.

Und wie ist es, wenn ich der Person freundlich gegenüber bin?

Da ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass diese Person auch nett zu mir ist.

Unsere Interpretationen fußen auf unserer Erziehung, unserem Gesellschaftsbild, unseren Erfahrungen.

Aber das bedeutet nicht, dass sie wahr sind.

Es ist ein lebenslanger Prozess diese Dinge herauszufinden.

Herauszufinden, wie wir funktionieren, und warum.

Wenn wir also ein Verhalten, das laut unserer Interpretation negativ ist,

oder wir bestimmte Menschen meiden, sollten wir uns immer hinterfragen.

Warum ist das so?

Fußt es auf meine eigene Interpretation?

Kann man es auch anders sehen?

Und ja, ich werde jetzt versuchen, das Gegenteil zu sehen und dementprechend zu handeln.

 

Immer noch genervt von der Frage: Woher kommst du?
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