Hast Du zwei Reisepässe, zwei Staatsangehörigkeiten? Drei oder sogar vier?

Welche Erfahrungen hast Du damit gemacht?

Wenn man binational ist, dann ist es wahrscheinlich, dass man die Staatsangehörigkeit des Vaters

und die Staatsangehörigkeit der Mutter besitzt.

Wenn man als Einwandererkind im Einwanderungsland der Eltern lebt,

hat man oft die Staatsbürgerschaft der Eltern und des Landes indem man aufwächst.

Allerdings bedeutet es in beiden Fällen nicht, dass man beide zwingend besitzt.

Ein Reisepass, Symbol der Staatsangehörigkeit, ist ein kleines Heftchen- ein Stück Papier, das nicht einmal uns gehört-

sondern dem Staat, der den Reisepass ausstellt.

Aber er hat eine solche emotionale Bedeutung!!!!

Die Staatsangehörigkeit ist „eigentlich“ eine rein politische Sache.

Wir werden als Bürger eines Landes geboren ohne es uns aussuchen zu können.

Diese Tatsache entscheidet, welche Pflichten wir als Staatsbürger haben,

was wir dürfen und nicht dürfen,

ob wir reisen dürfen,

wohin wir reisen dürfen,

und am wichtigsten, wohin wir nicht einreisen dürfen.

Die Staatsbürgerschaft ist ebenfalls die Grundlage dafür,

ob jemand akzeptiert wird, toleriert wird oder diskriminiert wird.

Aktuell dürfen, zum Beispiel, in den USA bestimmte Personen aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit nicht mehr ins Land einreisen.

Wir brauchen auch nur Nicht-EU-Staatsbürger zu fragen, wie schwierig es ist, ein Visum für ein EU-Land zu erhalten.

Und hier beginnt schon die Emotionalität,

denn nicht unser Körper, unser eigener Charakter und unsere Persönlichkeit sind Grund der Diskriminierung,

sondern das Stück Papier des Landes, dem wir als Staatsbürger angehören.

Wir sind also von den politischen Begebenheiten der Welt abhängig, ob wir es wollen oder nicht.

Wenn man keine Staatsangehörigkeit hat,

also ein Staatenloser ist, dann kann es ebenfalls Leiden bedeuten.

Welche Rechte hat man dann?

Oft überhaupt keine.

Kultur und Staatsangehörigkeit gleichsetzen?

Es wird noch emotionaler, wenn wir folgenden großen Fehler machen:

Wir setzen Kultur und Staatsangehörigkeit gleich – wir werfen beide in einen Topf.

Eine Staatsangehörigkeit hat eigentlich nichts mit der Kultur zu tun.

Staatsangehörigkeit = Zugehörigkeit zu einem bestimmten Staat, einer bestimmten Nationalität

Beispiel?

  • In Indien gibt es über 18 offizielle Sprachen,

viele unterschiedliche ethnische Gruppen mit ihren eigenen Traditionen und Ritualen,

verschiedene Religionen,

und doch haben ALLE den indischen Pass.

Aber eine „indische“ Kultur gibt es nicht.

  • Kennst Du noch Jugoslawien oder die UDSSR?

Diese Staatsangehörigkeiten gibt es nicht mehr, aber die Menschen in diesen Gebieten,

haben weiterhin ihre Rituale, Traditionen und Religionen.

Sie haben deswegen nicht aufgehört zu existieren.

Wenn wir also Kultur mit Staatsbürgerschaft gleichsetzen, beginnen die emotionalen Konflikte.

Zum Beispiel, wenn wir uns für eine Staatsangehörigkeit entscheiden müssen.

Sei es, weil die Länder keine Doppelstaatsangehörigkeit erlauben,

weil wir durch Einbürgerung die alte Staatsangehörigkeit abgeben müssen,

und weitere andere Gründe.

Vor kurzem habe ich mir ein Video über das Thema der Doppelstaatsangehörigkeit in Deutschland angeschaut.

Es wurde über einen Jungen berichtete, dessen Eltern aus der Türkei eingewandert sind:

Am Ende des Beitrags sagte die Off-Stimme des Journalisten:

„Er hoffe, dass er nicht einen Teil seiner Identität abgeben müsse.“

Anhand dieses Satzes sieht man schon, wie emotional das Thema gemacht wird.

Ein Teil von uns hört nicht auf zu existieren, nur weil man auf eine Staatsangehörigkeit verzichtet.

Natürlich kann man dann im anderen Land nicht mehr wählen,

hat keinen diplomatischen Schutz mehr,

kann dort im öffentlichen Dienst vermutlich nicht mehr arbeiten,

und keine Partei bilden.

Heißt das aber: die Identität abgeben?

Nicht wirklich.

Die Rituale, die unterschiedlichen kulturellen Ausdrucksweisen, die Sprachen,

unser Leben, die Gedanken bleiben gleich.

Ich muss zugeben, ich hatte Staatsangehörigkeit und Kultur auch immer gleichgesetzt gehabt.

Ich habe meine zwei Reisepässe immer als Symbol für meine Zugehörigkeit meiner „zwei“ Kulturen angesehen.

Das war früher.

Bevor mir bewußt wurde, wie viele unterschiedliche Rituale und Traditionen es in Algerien gab,

bevor ich in verschiedenen Regionen Deutschlands gelebt habe und gereist bin

und gemerkt habe, wie unterschiedlich sie sind,

bevor ich Sprach- und Literaturwissenschaft und Soziologie studiert habe,

und bevor ich 9 Jahre lang in Katalonien gelebt habe.

Propaganda und starker Nationalismus führen dazu,

dass wir nicht mehr richtig unterscheiden können,

was eine Staatszugehörigkeit und was Kultur ist

außer, wir sind Teil einer kulturellen Minderheitengruppe.

 

Doppelte Staatsangehörigkeit oder Mehrstaatenzugehörigkeit

Ist es nun cool mehrere Staatsangehörigkeiten zu besitzen?

Ein Vorteil oder ein Nachteil?

Es ist definitiv ein Vorteil, wenn wir in einem Land mehr Reisefreiheiten haben.

Ich glaube, das ist aber auch der einzige Vorteil.

Die Nachteile: Doppel-Pflichten.

Die Reisepässe und Ausweise müssen erneuert werden.

Je nachdem, wo man lebt, heißt es zum Konsulat oder der Botschaft reisen.

Man hat mehr Ausgaben, da man für Transport, Reise, vielleicht Übernachtungen,

zwei Pässe und Ausweise zahlen muss.

Falls der Militärdienst in beiden Ländern Pflicht ist und es kein Abkommen zwischen den Ländern gibt,

dann muss man schauen, wie man diese Situation löst.

Wahlen finden in beiden Ländern statt, also muss man sich darum kümmern,

auf den Wahllisten eingetragen zu sein.

In allen Ländern werden Ehe, Scheidung, Geburt, Erbe unterschiedlich geregelt.

Das muss man doppelt berücksichtigen.

Bevor man heiratet, ein Kind bekommt, sich scheiden lässt, sollte man sich sehr gut informieren.

Erbschaften und Erbschaftssteuern werden überall anders geregelt, auch hier gilt- sich sehr gut informieren.

Fazit:

Wir verlieren unsere Identität nicht durch das Abgeben einer Staatsangehörigkeit.

Man verliert höchstens die Rechte und Pflichten des jeweiligen Landes.

Die Kultur und Kulturen bestehen weiterhin – auch die Identität verändert sich nicht.

Man sollte Emotionen von der Staatsangehörigkeit trennen.

Mehrere Staatsangehörigkeiten bedeutet mehr Arbeit, mehr Ausgaben,

und viel Informationsarbeit ist gefordert.

Wenn man das alles gemanagt bekommt, dann müsste es keine Probleme geben!

Was sind Deine Erfahrungen mit der Staatsangehörigkeit?

Immer noch genervt von der Frage: Woher kommst du?
Entdecke die Erfahrung mit all Deinen Kulturen den inneren kulturellen Frieden zu finden!
Deine Daten sind bei mir sicher.